05.02.2010
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Kanalsanierung vor historischer Kulisse
Im Rahmen der umfassenden Restaurierung der denkmalgeschützten Schlossanlage Hubertusburg im sächsischen Wermsdorf sanierte die MAX BÖGL Bauunternehmung GmbH & Co. KG 146 Meter Eiprofile DN 600/900. Erstmals setzte das Unternehmen dabei die neue BLUETEC® Sanierungsanlage von Brandenburger ein.

Kanalsanierung vor historischer Kulisse: Schloss Hubertusburg in Sachsen
Es war einst das prunkvollste Schloss in Sachsen und das größte Jagdschloss in ganz Europa. Das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss Hubertusburg in der kleinen Gemeinde Wermsdorf in der Nähe von Leipzig ist ein wichtiges Zeugnis des europäischen Barocks und hat eine bewegte Geschichte. 1721 bis 1724 vom Kurfürsten August dem Starken als Jagdpalais für seinen Sohn Friedrich August erbaut, wurde die Anlage im siebenjährigen Krieg geplündert und erlangte historische Bedeutung durch den 1763 geschlossenen „Frieden von Hubertusburg“. Heute ist Schloss Hubertusburg mit einem großen angrenzenden Krankenhauskomplex ein wichtiges medizinisches Zentrum in Sachsen.
Seit 1998 wird das alte Jagdschloss für 22 Millionen Euro durch den Freistaat Sachsen komplett saniert. „Ziel ist es, die Anlage zu erhalten und die Gebäude nutzbar zu machen“, erklärt Heiko Zscheile vom Ingenieurbüro IBZ aus Riesa, der planende Ingenieur für die Sanierungsmaßnahmen, in deren Rahmen das Abwassersystem mit etlichen Kilometern Kanalnetz renoviert wird. Im März 2009 bekam die Firma Max Bögl aus Neumarkt den Auftrag, auf dem Gelände des denkmalgeschützten Schlosses zwei Mischwasserleitungen mit DN 600/900 Eiprofil auf 138,5 und 7,5 Metern Länge zu sanieren.

Positionierung des über 5 Tonnen schweren Schlauchliners auf der Baustelle
Entscheidung fiel auf wirtschaftliches Lichthärteverfahren
Der Denkmalschutz für die Anlage bezieht sich auch auf das Kanalnetz inklusive Rohren, Schächten und Kanaldeckeln. Für die Sanierung der zahlreichen, rund 250 Jahre alten Steindeckerkanäle aus Naturstein auf dem Gelände bedeutet dies, dass meist nur in offener Bauweise mit Rohreinzug und höchstens spatenfestem Mörtel im Ringraum saniert werden darf, damit das alte System als Zeugnis früherer Baukunst zu jedem Zeitpunkt wieder freigelegt werden kann. In dem durch Max Bögl zu sanierenden Abschnitt wurde jedoch vor schätzungsweise 80 Jahren der Steindeckerkanal gegen ein Eiprofilrohr ausgetauscht, sodass hier das Altrohr dauerhaft ausgekleidet werden konnte.
Das Schadensbild zeigte Wurzelanwüchse und Risse, Inkrustationen an den Rohrverbindungen sowie undichte Muffen. Wegen der Kanaltiefe von bis zu fünf Metern und weil die Leitung dicht an Gebäuden und teilweise darunter liegt, wurde die Sanierung in grabenloser Bauweise ausgeschrieben. Diese bot sich auch an, weil ein in seiner Form sehr gutes Altrohr bestand, dessen Hydraulik nach einer Auskleidung für die künftige Nutzung als ausreichend eingeschätzt wurde und auch die – mit lichthärtenden Linern sehr geringe – Querschnittsverringerung eine untergeordnete Rolle spielte, erklärte Zscheile.

Die Zugwinde für den Linereinzug wird am Schacht platziert.
Brandenburger Partner Max Bögl setzt auf Lichthärtung
Max Bögl bekam als günstigster Anbieter den Zuschlag für die Maßnahme. Bei dem Projekt an der Hubertusburg setzte das Unternehmen zum ersten Mal die neu entwickelte Brandenburger BLUETEC® Aushärtetechnik mit äußerst schnellen Aushärtezeiten und einer patentierten Qualitäts- und Aushärtekontrolle ein. „Dass wir gerade hier den ersten Liner mit unserer neuen BLUETEC® Anlage einbauen können, ist an diesem historischen Ort schon etwas Besonderes, sagt Tino Funke, Bauleiter Ver- und Entsorgung bei Max Bögl.“
Seit knapp einem Jahr bietet das Bauunternehmen grabenlose Kanalsanierung an und setzt als Brandenburger Partner auf die lichthärtenden Liner aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) des Unternehmens aus Landau in Rheinland-Pfalz. Seit September 2008 hat Max Bögl mit durchweg positivem Feedback über drei Kilometer DN 150 bis DN 900 Liner eingebaut. „Wir haben den Markt sondiert und sind der Meinung, dass die UV-Härtung die Technologie der Zukunft ist“, erklärt Funke. „Bei der UV-Technologie gibt es keine Probleme hinsichtlich der Qualität und beim Einbau selbst. Die Aushärtung geht wesentlich schneller als im Vergleich mit anderen Verfahren. Und der große Vorteil ist zudem, dass man das Endprodukt schon beim Durchziehen der Lichterkette vor Beginn der Aushärtung, durch die in der Lichterkette eingebaute Kamera, begutachten kann.“ Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit Brandenburger sei gewesen, dass das Unternehmen sowohl Gerätetechnik- als auch Materiallieferant ist, Support bietet und das Know-how laufend weiterentwickelt.

Vorarbeiten am Schacht
Liner wurde verlegefertig angeliefert und direkt vom LKW aus eingezogen
Die Maßnahme war mit einem hohen Koordinierungsaufwand im Vorfeld verbunden. Die Arbeiten mussten bei laufendem Klinikbetrieb durchgeführt werden und die Zufahrt nahe den Installationsschächten musste für Rettungsfahrzeuge frei bleiben. Auch galt es, die Maßnahmen mit parallel stattfinden Arbeiten im Hoch- und Tiefbau abzustimmen. In einem ersten vorbereitenden Schritt wurden die Zugänge geklärt, Dimensionen und Längen eingemessen und die Wasserhaltung abgestimmt. Weil die Gebäude größtenteils noch nicht genutzt werden, hatte man es überwiegend nur mit Oberflächenwasser von den Dächern der Schlossanlage zu tun. Zur Vorbereitung der Inlinersanierung gehörten auch die Vorarbeiten im Kanal, indem sämtliche einragende Wurzeln, Ablagerungen beseitigt und Versätze angepasst wurden, sodass ein sauberer Querschnitt entstand.
„Der Kanal verläuft in einer leichten S-Form“, beschreibt Funke die besonderen technischen Herausforderungen beim Einbau des ersten, langen Teilstücks. Es galt, den BLUETEC® Aushärtekern mit der UVA-Lichterkette mit speziellen Rädern genau auf dieses Eiprofil abzustimmen, damit dieser zentrisch fährt und alle Stellen konstant aushärtet. Der bei Brandenburger in Landau werkseitig mit lichthärtendem Polyesterharz getränkte und verlegefertig angelieferte GFK-Liner wurde über ein Förderband direkt vom LKW in den Kanal eingezogen. Nachdem der erste Packer montiert und der Liner mit Druckluft beaufschlagt war, wurde der Kern mit der UVA-Lichterkette mit neun UVA-BLUETEC®-Lampen mit jeweils 1.000 Watt eingebracht. Am Tiefpunkt wurde der zweite Packer montiert.

Einzug der Schutzfolie
Nach Zündung der BLUETEC® Lichterkette wurde das gesamte Teilstück mit einer Aushärtegeschwindigkeit von ca. 60 cm/min in insgesamt nur knapp 4 Stunden ausgehärtet. Die statisch errechnete End-Wandstärke betrug 7 Millimeter. Unmittelbar nach der Aushärtung konnten die Öffnung der acht Anschlussöffnungen sowie der formschlüssige Anschluss an den Schacht mit Epoxidharz erfolgen. Am Folgetag wurde das kurze Teilstück in der gleichen Vorgehensweise saniert. Die in der darauf folgenden Woche stattfindende Untersuchung mit TV-Abnahme bestätigte die erfolgreiche Sanierung mit dem BLUETEC® Verfahren.
Die Sanierungsarbeiten wurden nach Prüfung der übergebenen Dokumentation zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers, dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, abgeschlossen.
BLUETEC® hat sich in der Praxis bewährt
Nach der erfolgreichen Premiere der BLUETEC® Anlage zeigt sich Funke vom Verfahren überzeugt. „Der große Vorteil ist, dass alle wichtigen parameter, wie Aushärtegeschwindigkeiten etc., automatisch auf einem Protokoll dokumentiert werden. Das ist in Zeiten steigender Qualitätsanforderungen von besonderer Bedeutung. Ein weiteres praktisches Plus des Verfahrens ist, dass sich der Aufwand bei der Baustelleneinrichtung in Grenzen hält. Auch Planer Zscheile ist zufrieden: „Mit dem Inlinerverfahren können wir extrem schnell und sehr wirtschaftlich eine dauerhafte Sanierung durchführen. Die offene Bauweise hätte ein Vielfaches gekostet und auch ein Vielfaches an Zeit gedauert.“

Vorbereitung des Liners für den Einzug via Förderband
Info: Das Brandenburger BLUETEC® Verfahren
Mit der neu entwickelten BLUETEC® Technik von Brandenburger können bei der grabenlosen Sanierung mit lichthärtenden GFK-Inlinern die UVA-Lampen in den Lichtquellen jetzt je nach Kanalprofil individuell in mehreren Leistungsstufen von 400 bis 1000 Watt gezündet werden. Damit ist es möglich, die Aushärtegeschwindigkeit in Abhängigkeit von Durchmesser und Wandstärke des Schlauchliners optimal auf das Linerprofil (Kreis-, Ei- oder Sonderprofil) anzupassen. Aufwändige Steuerungselektronik wurde durch einfachere Systeme ersetzt. Dadurch ist die Anlage einfach zu bedienen und kann im Servicefall in den meisten Fällen vor Ort repariert werden. Die BLUETEC® Technik setzt auf die patentierte Qualitäts- und Aushärtekontrolle durch die Messung der exothermen Aushärtereaktionstemperatur. Der gesamte Aushärteprozess wird online überwacht und dokumentiert. Dabei werden die wichtigsten parameter wie die UVA-Lampenzündzeitpunkte, die Anzahl und Leistungsstufen der gezündeten Lampen, Start und Endzeitpunkt der Aushärtung, der Innenluftdruck im Liner, die Aushärtegeschwindigkeit, die Messung der exothermen Harzreaktionstemperatur und die Anzeige der zurückgelegten Wegstrecke festgehalten. Der Auftraggeber erhält nach Abschluss der Sanierungsmaßnahme eine lückenlose maschinell erstellte Aushärtedokumentation.
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