nodig-bau.de ::: Mit Tempo Null durch die Düsseldorfer City
Dienstag 07.09.2010 RSS | Trailer | Newsletter | Werbung | Partner | Kontakt | Sitemap | Disclaimer | Impressum |
Hallo - schön das Sie hier sind.
Ich bin Mr. Nodig® und helfe
Ihnen gerne bei der Suche weiter.


Newsticker

03.03.2010


Share/Bookmark
Mit Tempo Null durch die Düsseldorfer City
Düsseldorf. Der Mann gibt morgen richtig Gas. Trotz 1650 PS kommt Fahrer Michael Kolmsee nicht voran, nur millimeterweise. Er steuert eine der teuersten Maschinen. Der Preis liegt im zweistelligen Millionenbereich liegt, doch die vielen Kratzer kümmern ihn nicht. Kolmsee fährt immer vor die Wand.

Er kann nicht anders. Er will nicht anders. Vor ihm ist alles schwarz - und über ihm die Stadt. Der Mann steuert bei Null Sicht in bis zu 22 Metern Tiefe durch den Untergrund der Düsseldorfer City. Da muss er durch, muss sich durch 167 000 Kubikmeter Erdreich wühlen. Tag und Nacht. Ein halbes Jahr haben er und seine Kollegen Zeit, die City zu unterfahren. Ein halbes Jahr für 1310 Meter bis zur Benrather Straße. Michael Kolmsee ist einer der Schildfahrer im riesigen Tunnelbohrer, mit dem die Röhre für die neue U-Bahn gebaut wird.

Startschacht Bilk, Elisabeth-, Ecke Bachstraße. Elf Meter abwärts. Dort steht der Koloss, fast 65 Meter lang, 762 Tonnen schwer. Ein stählernes Monstrum, eine „Fabrik auf Rädern”, wie es Projektleiter von Bilfinger Berger, Benno Ferrie´re, formuliert. Er führt durch das Oberdeck der extra für Düsseldorf von Herrenknecht maßgeschneiderten Tunnelbohrmaschine, „Tuborine” genannt”, wo die ganze Palette des Maschinenbaus zu finden ist: Pumpen, Filter, Hydraulik, Stromanlagen. Darunter im Unterdeck, im Schlund, karren zwei Loks das Baumaterial, die Tübbings, die Betonringe für die Tunnelröhre, nach vorne.

Diese Maschine arbeitet wie ein Roboter, sie kann fast alles. Sie bohrt, presst, saugt, entsorgt, pumpt und fährt. Mit dem 9,50 Meter dicken Bohrer zermalmt sie alles, was vor ihr liegt. Wie ein riesiger Staubsauger pumpt sie das in einer Stützflüssigkeit (Bentonit) abgefräste Erdreich durch dicke Schläuche zur Baustelle Bachstraße, wo in einer Separier-Anlage das Bentonit abgesondert und zurückgeleitet wird, während der Erdaushub per Lkw abtransportiert wird. In dieser Zeit presst Tuborine den nächsten Betonring an die Tunnelwand. Stück für Stück. Ganz automatisch.

Zwei Männer werden an der Seite stehen, darauf achten, dass alles haargenau passt. Ebenso Michael Kolmsee im Steuerstand, vor ihm Dutzende Bedienungsknöpfe, den Blick auf drei Monitore, auf die Messdaten gerichtet. Die kleinste Abweichung sieht er. Jede Auffälligkeit wird er nach oben melden. Er kann das Schneidrad mit den 27 Doppeldisken, 172 Messern und 16 Räumern sofort stoppen, sollte er auf ein Hindernis stoßen. Zwar befindet sich am Bohrer ein Steinbrecher, der bis zu 80 Zentimeter große Brocken unter Überdruck problemlos zertrümmert. Doch wenn das Gestein viel größer ist - oder gar ein vergessener Stahlträger aus frühreren Bauprojekten im Wege steht, dann müssen die Männer selbst ran, müssen durch die beiden Druckkammer-Schleusen an die Spitze der Maschine und mit eigenen Geräten wie im Bergwerk Hand anlegen.

Michael Kolmsee ist im Untergrund ganz der Coole. Er steht seit sechs Jahren im Steuerstand, kommt von einem Tunnel-Projekt aus Schweden. Neben ihm sein Kollege Reinhold Pavel, gerade angereist aus Wien. Hier fühlt er sich wie auf Federn. Drüben mussten die Männer beim Bau einer Bahn-Röhre durch Fels, hier ist nur das Tertiär.

Pavel ist kein Berg, kein Untergrund zu schwer. Er baut Tunnel, wo man es von ihm will. 20 Schildvortriebe hat er hinter sich. Düsseldorf ist eine Herausforderung, aber er hat schon weitaus größere hinter sich. „Man weiß nicht, was auf einen zukommt. Vor der Hacke ist es duster. Auch wenn alles genau erkundet ist, es gibt immer wieder etwas Neues.” Deshalb liebt er seinen Beruf.


zurück

Drucken

Oben

zurück