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20.09.2017
Wir planen mit Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961
Die Qualitätssicherung von Kanalbaumaßnahmen hat einen besonderen Stellenwert, denn Entwässerungssysteme sind Einrichtungen mit hohen Investitionskosten und langen Nutzungsdauern, die der Daseinsvorsorge und dem Schutz der Umwelt dienen. Neben der Ausführung der Maßnahmen tragen die zugehörigen Ingenieurleistungen wie Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung maßgeblich zum Ergebnis bei. Deshalb liegt es im Interesse aller Beteiligten, auch für diese Phasen des Projektes geeignete Rahmenbedingungen an die Qualifikation der Verantwortlichen zu definieren. Ingenieurbüros und Auftraggeber selbst können beispielsweise im Bereich Ausschreibung (A) und Bauüberwachung (B) über ein Gütezeichen Kanalbau die notwendige Erfahrung und Qualifikation getrennt für den offenen Kanalbau (Gruppe ABAK), für den grabenlosen Einbau (Gruppe ABV) und für die grabenlose Sanierung (Gruppe ABS) belegen. 
Zum Stellenwert von Qualität und Qualifikation sowie zur Bedeutung der Gütesicherung Kanalbau äußert sich Dipl.-Ing. Gerhard Würzberg, Mitglied der Geschäftsleitung des Ingenieurbüro Regierungsbaumeister Schlegel, im Interview.
 
Herr Würzberg, Sie sind Gesellschafter eines Ingenieurbüros mit einer mehr als 80-jährigen Tradition: Was waren die Wurzeln der Geschäftstätigkeit und welche Schwerpunkte bedienen Sie mit Ihren Mitarbeitern heute?
Im letzten Jahr konnte das 1931 von Anton Schlegel gegründete Ingenieurbüro Regierungsbaumeister Schlegel das 85-jährige Firmenjubiläum feiern. Das Tätigkeitsfeld des ursprünglich auf den reinen Wasserbau konzentrierten Geschäfts wurde im Laufe der Jahre auf die Themenbereiche Wasserversorgung und Abwasserableitung ausgeweitet, wobei insbesondere Kläranlagen zu den Schwerpunkten zählen. Hinzu kommen die Geschäftsfelder Verkehrsplanung für die Bereiche Straße, Brücke  und Schiene. Zudem haben wir heute auch eine eigene Elektro- und Energieversorgungsabteilung, so dass wir den breiten Markt vollständig abdecken. Im Haupt- und Verwaltungssitz München, in den verbundenen Gesellschaften und in den Niederlassungen sind rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Zu unseren Auftraggebern zählen sowohl öffentliche Auftraggeber, Städte, Gemeinden, Verbände und Zweckverbände, als auch private Auftraggeber aus Industrie und Gewerbe.
 
Wie wird sich das Geschäftsfeld Ingenieurbüro zukünftig darstellen?
Die Entwicklung geht hier eindeutig in Richtung Digitalisierung der Bauwirtschaft, und auf diese Entwicklung müssen wir uns einstellen. Insbesondere das Building Information Modeling (BIM) zählt zu den aktuellen Trendthemen. BIM beschreibt eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Projekten mithilfe von Software, bei der alle relevanten Daten schon in der Planung digital erfasst, kombiniert und vernetzt werden und damit überall verfügbar und nutzbar sind. Mit Blick auf unterirdische Infrastrukturmaßnahmen befinden wir uns hier allerdings noch in den Anfängen. Realisieren lassen werden sich diese Ansätze auch nur, wenn alle Beteiligten über entsprechendes Know-how und entsprechende Qualifikationen verfügen.
 
Wie wird sich das Zusammenspiel Auftraggeber – Planer – Auftragnehmer entwickeln, sehen Sie hier Optimierungsbedarf?
Optimierungsbedarf ergibt sich aus meiner Sicht nach wie vor in Bezug auf die klare Formulierung der Zielvorgaben: Was erwartet der Auftraggeber, was soll eigentlich entstehen – auf diese Fragen gilt es, Antworten zu finden und in die Planung einzuarbeiten. Auf dieser Basis können wirtschaftliche Bauabläufe optimal geplant und Projekte so umgesetzt werden, dass die Ansprüche aller Baupartner im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Qualität erfüllt werden.
 
Wann und wie kam es zur Beschäftigung mit dem Thema Gütesicherung Kanalbau und wie haben Sie die Entwicklung der Gütegemeinschaft erlebt?
Mit dem Thema Gütesicherung und der Organisation Güteschutz Kanalbau habe ich mich schon in den 1990er Jahre intensiv auseinandergesetzt. Das Ingenieurbüro Regierungsbaumeister Schlegel wurde früh Mitglied in der Gütegemeinschaft, in der ich mich als von der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.) benannter Ingenieurbüro-Vertreter im Güteausschuss zudem persönlich engagiere.
 
Die Entwicklung des Güteschutz Kanalbau beurteile ich als Erfolgsgeschichte. Stetig steigende Mitgliederzahlen sind ein starkes Zeichen für die breite Akzeptanz des Systems. Zusätzlich positiv finde ich den Aspekt, dass sich die Gütegemeinschaft nie damit zufrieden gegeben hat, ein Gütezeichen zu verleihen. Sondern sie versteht sich vielmehr auch als Partner im Aufbau und bei der Aufrechterhaltung von Qualifikation im Kanalbau – und das für ausführende Unternehmen ebenso wie für Auftraggeber und Ingenieurbüros. In diesem Zusammenhang würde ich mir wünschen, dass sich noch mehr meiner Kollegen zu einer Mitgliedschaft in der Gütegemeinschaft entschließen. Gefordert sind hier allerdings auch die Auftraggeber, in dem sie etwa Qualifikationsnachweise bei Auftragsvergabe berücksichtigen.
 
Welchen Stellenwert hat für Sie das Thema Qualifikation?
Das Thema Qualifikation ist das Thema, dass unseren Alltag entscheidend bestimmt. Nur mit entsprechender Qualifikation lassen sich die geforderten Planungsleistungen erfüllen. Somit ist Qualifikation die Grundlage unseres Handelns und natürlich auch Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und damit erfolgreiches Agieren im Markt. In diesem Sinne sind Bestätigungen und Referenzen, die belegen, was wir können, unerlässliche und wichtige Instrumente für unsere Arbeit.
 
Wann und warum haben Sie den Entschluss gefasst, ein Gütezeichen der Beurteilungsgruppe ABAK zu beantragen?
Das ergibt sich unmittelbar aus der Beantwortung der vorangegangenen Frage. Mit den für die Erlangung des Gütezeichens nötigen Belege über entsprechende Tätigkeiten weisen wir die besonderen Erfahrungen der Organisation bzw. des eingesetzten Personals nach. Die regelmäßige Prüfung, welche Prüfingenieure im Auftrag des Güteausschusses der Gütegemeinschaft Kanalbau vornehmen, bietet zudem die Sicherheit, dass wir alle Anforderungen erfüllen – ein wichtiger Aspekt, sowohl in der internen Wahrnehmung als auch in der Beurteilung durch Auftraggeber. Darüber hinaus können wir das umfangreiche Weiterbildungsangebot der Gütegemeinschaft nutzen und gezielt die Qualifikation unseres Nachwuchses fördern – zum Beispiel in Form des E-Learning Moduls auf der Informations- und Wissensplattform Akademie Kanalbau.  
 
Bitte schildern Sie die Schritte vom Antrag bis zur Erlangung des Gütezeichens. Was haben Sie erwartet, wie ist der Prozess gelaufen, was war gut bzw. weniger gut?
Das war für uns kein Hexenwerk. Das Vorurteil vom immensen Aufwand, der ein Büro wochenlang lahmlegt, kann ich deshalb auch nicht bestätigen. Wenn ein Büro qualifiziert und fachgerecht arbeitet, ist die Gütezeichenverleihung lediglich die nach außen sichtbare Dokumentation dieses Zustands. Nach Antragstellung hat ein Prüfingenieur Kontakt mit uns aufgenommen und die weitere Vorgehensweise mit uns besprochen – von der Zusammenstellung der notwendigen Nachweise bis hin zum Einpflegen in die Datenbank. Wir sind auf einem guten Weg und ich bin zuversichtlich, dass wir im November auf der nächsten Sitzung des Güteausschusses das Gütezeichen der Beurteilungsgruppe ABAK (Ausschreibung und Bauüberwachung beim offenen Kanalbau) erhalten werden.
 
Welche Vorteile sehen Sie vor dem Hintergrund der Zertifizierung, zum Beispiel in Bezug auf Ausschreibungen, Regelwerke, Weiterbildung?
Vorteile ergeben sich natürlich bei der Nachfrage von Auftraggeberseite nach entsprechenden Qualifikationen. In diesem Fall haben wir mit dem Gütezeichen alle erforderlichen Nachweise in Bezug auf Fachkunde, technische Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zur Hand. Darüber hinaus profitieren wir von den Angeboten für Mitglieder. Hierzu gehört das umfangreiche Angebot an Schulungen und Erfahrungsaustauschen, ebenso wie der Zugriff auf das spezifische Regelwerk wie zum Beispiel die Loseblattsammlung der „Technischen Regeln zum Kanalbau in offener Bauweise“. Auch die Anwendung der Leitfäden und Arbeitshilfen trägt zur Qualitätssicherung im Unternehmen und zur Qualitätssicherung bei.
 
Werfen Sie zum Schluss bitte noch einen Blick in die Zukunft: Was sind für Sie die Schlüsselwörter und Leitthemen im Kanalbau und der Gütesicherung?
Im Prinzip ist es der alte und der neue Gedanke, nämlich die Vereinbarung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Qualität hat Ihren Preis – für mich hat dieses Motto nach wie vor Gültigkeit. Qualität und billig passen nicht zusammen und schließen sich aus. Die Arbeit in einem Ingenieurbüro ist sehr individuell – kein Projekt gleicht dem anderen. Langlebigkeit, Wirtschaftlichkeit und Know-how kann man deshalb nicht erwarten, wenn man nur auf den Preis schaut. Werden Aufträge nach der Prämisse „Hauptsache billig“ vergeben, führt das zur Abgabe von nicht auskömmlichen Angeboten, für die sich weder eine fachgerechte Planung noch eine vernünftige Bauüberwachung realisieren lassen. Unter den Folgen hat unsere unterirdische Infrastruktur und damit wir alle zu leiden. Vor diesem Hintergrund sind alle Beteiligten gefordert, mit Sachverstand und der nötigen Konsequenz auch beim Einsatz der Mittel an die anstehenden Aufgaben heranzugehen.
 
Herr Würzberg, vielen Dank für das Interview.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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